„Mein Körper, meine Entscheidung“, „My body, my choice“: Protestschilder mit diesen Forderungen kennen wir seit Jahrzehnten. Doch seit einigen Wochen und Monaten sehen wir Schilder mit dieser Aufschrift vermehrt an anderen Plätzen: Nicht mehr nur auf radikal-feministischen Demos für das „Recht“ auf Abtreibung, Gendersternchen und Gratisverhütungsmittel, sondern bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen und gegen die Zwangsimpfung.
Diese Vereinnahmung und Uminterpretation einer seltsamen feministischen Forderung war aber genauso sinnvoll wie notwendig. Einerseits ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit ein Grundrecht und auch der staatliche Zugriff auf den eigenen Körper sollte unter allen Umständen minimiert werden. Die ursprüngliche Forderung hingegen sollte dabei aber schleunigst über Bord geworfen werden. Ging es letztlich um einen Angriff auf ungeborenes Leben durch nicht-medizinisch-notwendige Schwangerschaftsabbrüche.
C-Maßnahmen-Kritiker, die sich dieser Botschaft bedienen, haben hingegen triftige Gründe und gute Argumente. Ein Grund ist es offenbar, die ursprüngliche Forderung ins positive zu übersetzen. Denn, den linken Abtreibungs-Lifestyle mit lebensbedrohlichen Gesetzen der Regierung zu vergleichen ist in erster Linie zynisch. Und erst in zweiter Linie dumm.
Gefahr für jede ungewollt Schwangere
Natürlich gibt es triftige Gründe für eine Frau zu einer solchen Entscheidung. Dazu zählen Vergewaltigung oder eine lebensbedrohliche Situation für die werdende Mutter. Doch Schwangerschaftsabbrüche sind kein Kavaliersdelikt. Komplikationen, psychologische Langzeitfolgen, körperliche Beeinträchtigungen oder die Brutalität, zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen zu werden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Radikal-feministische Forderungen nach einer Abtreibungsfrist „bis zum letzten Tag vor der Geburt“ sind nicht nur unmenschlich und barbarisch sondern auch ein Zeichen mangelnder Wertschätzung menschlichen Lebens.
Dabei vergessen wir zu oft dass mit Kreiskys Fristenlösung in Österreich ein guter Kompromiss zwischen zwei Polen gefunden wurde. Vergessen wir auch nicht, dass die Kosten für Verhütungsmittel gering sind, sexuelle Aufklärung bereits in der Schule stattfindet und Schwangere in Europa rechtliche und berufliche Vorteile genießen.
Es geht eben nicht nur um „meins“
Das ist es also ungefähr, was es mit dem feministischen „My body, my choice“ auf sich hat. Letztlich geht es eben nicht um „meinen“ Körper sondern um den Körper eines neuen Lebens. Das ist im Vergleich zum feministischen Ansatz von „Mein Körper, meine Entscheidung“ also ziemlich unverhältnismäßig. Wer sich also den Schutz des eigenen Körpers auf die Fahne geschrieben hat, wird auch keinen Anderen, selbiges absprechen. Erst recht wenn es um den Schutz von neuem Leben geht, dass selbst noch keine Entscheidungen treffen kann. „Mein Körper, meine Entscheidung“ ist somit das Recht eines jeden Menschen und kann durch die Parole „Lieber ein Kind in den Armen, als auf dem Gewissen“ ergänzt werden.
Somit kommen wir zum wohl wesentlichsten Unterschied: Feminist*Innen die einen Schwangerschaftsabbruch fordern, haben bei den Satz „Mein Körper, meine Entscheidung“ nicht verstanden dass es nicht um „ihren“ Köper oder um „sie“ geht, sondern um die Gesundheit und das Leben eines „Anderen“. Diese Personen haben den Unterschied zwischen einer ansteckenden Krankheit und einer Schwangerschaft nicht verstanden. Während die Ablehnung einer Impfpflicht konstruktiv ist und niemanden eine Impfung verwehrt, der sie will. Der Unterschied dieser Forderung liegt genau darin, dass es allein um das eigene Leben und Überleben geht. Das ist die Forderung, das ist die Idee dahinter.